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Kata:
Pinan Kata, Naihanchi, Kushanku, Chinto, Seishan,
Bassai, Wanshu, Niseishi, Rohai, Jion, Jitte, Betshurin
Die
Bedeutung der Kata (Formübungen) Aus der
chinesischen Tradition heraus wurde in den Kata viel Wert auf die Vitalpunkte,
die Esoterik und den Gesundheitsaspekt gelegt. Eine Kata
muss immer mit Würde vorgetragen werden, um nicht nur den Kampfaspekt
zu betonen, sondern auch die moralische Legitimation des Kämpfens
sicher zu stellen. Für
Hironori Ohtsuka war Chinto die höchste Kata. Auch die Reihenfolge
setzte er anders als heute. Für ihn kam erst die Pinan Shodan (Sho=eins)
und dann die Pinan Nidan (Ni=zwei). Obwohl auch er die Pinan Shodan für
schwieriger hielt als die Pinan Nidan, sprach er sich gegen eine Änderung
der Reihenfolge beim Erlernen aus. |
| Die Pinan
Kata sind aus der Kushanku entstanden. Sie sollen einzelne Aspekte der Kushanku
vermitteln, z.B. Richtungsänderungen, Techniken, Kombinationen von
Techniken, Diagramme des Ablaufs (Enbusen). Pinan bedeutet "friedfertiger Geist". Im WadoKai ist traditionsgemäß die Pinan Nidan die erste Kata, obwohl Nidan bedeutet, dass dies die zweite Kata ist. Aber da sie vom Ablauf und den Techniken her für einfacher erlernbar als Pinan Shodan gehalten wurde, wurde in den Prüfungsprogrammen diese Reihenfolge gewählt. |
| Diese Kata
soll im 17. Jahrhundert von einem Chinesen Namens Ason nach Okinawa gekommen
sein. Nach Hironori Ohtsuka geht die Naihanchi in der vorliegen den Form
auf Kibe Choki (Ryu-Kyu) zurück. Die Naihanchi mit dem Naihanchi Dachi wurde oft als "Reiter"-Stellung definiert, da die Fuß- und Beinstellung an einen Reiter erinnert. Die eigentliche Bedeutung ist aber "seitwärts kämpfen". Die Fußstellungen dieser Kata werden ausgeführt (daher die spezielle Spannung) als wenn man auf glitschigen, moosbewachsenen Steinen stehen würde. Diese Kata soll früher auf engem Raum z.B. auf Brücken oder Balken trainiert worden sein. Der Naihanchi Dachi ist eine nicht so tiefe Stellung, die der ursprünglichen Stellung entspricht und einen kämpferischen Vortrag der Kata erlaubt. Es gibt drei Naihanchi Katas, aber Ohtsuka hielt nur die erste für wichtig. |
| Kushanku
war im 18. Jahrhundert ein chinesischer Offizier auf Okinawa. Von ihm soll
die Kushanku stammen (ca. 1760). Diese Kata soll kämpferisch vorgetragen
werden. Sie beginnt mit einem "Blick in den Himmel". Diese Bewegung
ist als Symbol für die Sonne, die immer wieder aufgeht zu verstehen
und bedeutet gleichzeitig, alles geht immer irgendwie weiter (= alle Probleme
im Leben sind zu lösen). In der Kata sind viele Wechsel beim Kraftaufwand, in den Schwerpunktänderungen und in den Techniken. Symbolisch soll dies darauf hindeuten, dass Veränderungen etwas Natürliches sind und zusammen mit der ersten Bewegung bedeuten sie die Einheit des Universums. |
| Besonders
auffällig an der Chinto sind die Stellungen auf einem Bein. Sie symbolisieren
den Kranich (das Wappentier Japans), der für Unsterblichkeit und Weisheit
steht. Der Schwerpunkt dieser Kata liegt in dem Wechsel der Stellungen und der Höhe des Schwerpunktes. Durch die einbeinigen Stellungen wird besonders das Gleichgewicht geschult. Die Chinto besteht zum Großteil aus schnellen, flüssigen Bewegungen, die am Ende in eine langsame, konzentrierte Bewegung einmünden, bevor als Schluss noch einmal ein plötzlicher Höhepunkt gesetzt wird. Für die Chinto braucht man eine konzentrierte, entspannte Geisteshaltung. Sie soll Überlegenheit durch Ausstrahlung vermitteln. Man wartet auf die Blöße des Gegners, um ihn dann plötzlich anzugreifen. |
| Die Seihan ist eine Kata zur Übung der Kraft und Ausdauer, sowie des Gefühls für die Festigkeit des Standes und die korrekte Haltung des Körpers. Sie dauert ca. 60-120 Sekunden. Die Einatmung erfolgt langsam und leise durch die Nase. Die Luft füllt von unten beginnend die Lungen. Die Atmung soll ungestört, gleichmäßig und unmerklich sein. Die Ausatmung erfolgt mit offener Kehle und lockerer Zunge. Dazu wird der Bauch zunehmend angespannt und die Luft in drei langsamen kraftvollen Atemzügen herausgedrückt. Wenn man glaubt, alle Luft sei aus der Lunge heraus, dann wird noch einmal stark gepresst, um den letzten Rest der Luft herausdrücken. Der langsame Teil der Kata ist quasi zum Energie sammeln und der schnelle Teil zum Energie herauslassen. Dieser Wechsel muss abrupt erfolgen. |
| Diese Kata wird "Sturm auf die Festung" genannt. Sie soll mit entschlossener Geisteshaltung und absolutem körperlichen Einsatz vorgetragen werden. Dabei stellt man sich vor, ein schweres Hindernis zu überwinden oder ein schwieriges Problem mit konzentrierter Kraft und unbeugsamem Willen zu lösen. Die Ausweichbewegungen und die Angriffe stehen für das Durchbrechen. Die Koordination der Bewegungen und die Aufrechterhaltung des körperlichen und mentalen Gleichgewichts spielen in dem stillen Kampf eine große Rolle. Die Kata muss mit Würde vorgetragen werden, um die moralische Legitimation sicher zu stellen. |
Diese
Kata wird auch "Flug der Schwalbe" genannt, da viele Verlagerungen
der Hüfte von oben nach unten und viele schnelle Richtungsänderungen
(wie beim fröhlichen, unbeschwerten Flug der Schwalben) erfolgen.
Wanshu war ein chinesischer Kampfkunstexperte (vermutlich ist die Kata
1683 entstanden). |
Die
Kata hatten früher Namen, die aus Zahlen bestanden. So wird diese
Kata auch "24 Schritte" genannt wurde. Die einzelnen Zahlen
hatten dabei nicht ungedingt numerische Bedeutung, sondern waren eher
von symbolischer Bedeutung. |
Wegen der hohen, einbeinigen Stellungen wird diese Kata auch "Bild des Kranich" genannt oder wegen der Kreisbewegungen (im WadoKai eher weniger) auch als "Reinigen des Spiegels". Dieser klare Spiegel soll die Welt wahrheitsgetreu reflektieren, aber der Spiegel verändert die Welt nicht. |
Die Anfangsstellung (Kamae) entspricht dem Gruß der Mönche im Shaolin-Kloster (ein früher allgemein in China üblicher Gruß, statt Hände schütteln). Die richtige Ausführung der Kata gleicht der vollendeten Reife eines Buddha, daher auch der Name "Liebe und Gnade". Es soll eine vollkommene Harmonie in der Bewegung erricht werden, ein Gleichgewicht des Geistes, was die Kata zu einem direkten, wirkungsvollen Kampfstil macht. |
Alle Bewegungen dieser Kata können als Abwehrtechniken interpretiert werden, die gegen einen Angriff mit einem Stock benutzt werden. In der "moderneren" Variante, können viele Bewegungen auch als Angriffe oder Konter gegen unbewaffnete Gegner gedeutet werden. Die Koordination der Hüfte und der Extremitäten ist in dieser Kata besonders wichtig. Ebenso die Position der Ellenbogen und die Spannung der seitlichen Rumpfmuskulatur und damit die Verbindung von Hara (Unterbuch) und Technik. Die Kata wird auch als "Technik der Gnade" was so viel wie korrekte Abwehr in schwieriger Situation bedeutet, bezeichnet. |
Diese
Kata nennt man auch "108 Techniken Kata". Die Zahl 108 steht
im Buddhismus für die 108 Quellen des Unglücks oder der bösen
Leidenschaften, die es zu überwinden gilt. Betshurin ist eine Kraftkata
mit Atemtechnik. Sie enthält viele Techniken mit offener Hand sowie
beidhändige Techniken mit simultanem Gebrauch beider Hände für
Block- und Kontertechniken oder Doppelschläge. |